Wer einmal lügt …

Ein junger, aufstrebender Kollege eines Startup Unternehmens wurde gerade kurzfristig von den Gesellschaftern zum Geschäftsführer befördert. Nun sitzt er zum ersten Mal in seinem neuen Büro, hinter seinem neuen Schreibtisch. Stolz genoß er die Aussicht und klopfte sich selbst auf die Schulter. Hart war der Weg, steinig war er! Wie oft musste er die Ellenbogen ausfahren, um diese Karriere hinzulegen. Wie viele Menschen musste er vor den Kopf stossen um so weit zu kommen. Egal, er hat es geschafft!

Er betrachtete seinen schönen Schreibtisch, sein neues Notebook und sog die neuen Gerüche, die Eindrücke förmlich in sich auf.

Doch plötzlich klopfte es an der Tür. Schnell schnappte er sich den Telefonhörer, rief kurz “Herein!” und tat so, als hätte er ein unheimlich wichtiges Gespräch. Ein wichtiger Geschäftsführer hat eben mal wichtige Gespräche! Dann legt er auf: “Entschuldigen Sie, dass sie warten mussten. Na, Sie wissen ja wie das ist in meiner Position, aber das war ein sehr wichtiges Telefonat. Was darf ich für Sie tun?”.

“Ich denke ich kann mehr für sie tun, als sie für mich”, antwortete der Besucher. “Ich bin der Haustechniker und hier, um Ihr Telefon anzuschliessen.”

Schwierige Situation für unseren jungen Freund! Hoffentlich wird er den Telefontechniker niemals als Kunden oder Freund gewinnen.

Unsere Tugenden sind langfristig unser Fundament auf dem wir uns bewegen. Tugenden unterliegen einem Dominoeffekt. Es dauert sehr lange die Steine aufzustellen, aber sobald einer erschüttert wird und fällt, fallen auch all die anderen in Sekundenschnelle. dann heißt es wieder, Argument für Argument in Reih und Glied aufzubauen, um Vertrauen zu erhalten.

Tipp 1: Auch Notlügen sind Lügen und werden irgendwann entlarft! Ob sie einem Freund erzählen sie würden schon auf der Couch liegen und das Haus nicht mehr verlassen, obwohl er sie am gleichen Abend noch mit einer Freundin in der Bar sieht, oder ob sie der Polizei erzählen, das Handy wäre ein Rasierapparat und er wäre deshalb gefährlich nah am Ohr gewesen, es interessiert nicht! Gelogen ist gelogen! Sie tragen die Konsequenzen!

Nun aber zurück zur verzaubernden Rhetorik. Die Rede ist die Kunst, Glauben zu erwecken. (Aristoteles).

Wie verzaubert man nun das Publikum? Relativ einfach damit, in dem man das lebt was man auch erzählt.

Tipp 2: Ihr Worte und Taten sollten eins sein. Glauben sie selbst daran, was sie erzählen, oder lassen sie es.

Wer würde einem katholischen Priester vertrauen, der Kinder hätte? Ich nicht! Nach Schätzungen leben 9000 von 17000 katholischen Geistlichen in einer Beziehung und etwas 3000 davon haben Kinder! Da hat wohl jemand die Sache mit dem Zöllibat nicht ganz verstanden. (Quelle: Gottes heimliche Kinder, Annette Bruhns, Deutscher Taschenbuch Verlag).

Tipp 3: Widerstehen Sie der Versuchung, über andere herzuziehen.

So verlockend es manchmal sein kann, einen unangenehmen Mitbewerber, der endlich einmal einen Fehler gemacht hat, vor versammelten Publikum oder auch im Einzelgespräch fertigzumachen. Tun Sie es nicht! Möglicherweise wäre es erleichternd, aber eben nicht edel! Es wird langfristig der eigenen Glaubwürdigkeit schaden. Denn wer weiß schon, was er über mich sagt, sobald mir das Lästermaul den Rücken zudreht?

Verzaubernde Rhetorik muss ehrlich und authentisch sein, dann hört man Ihnen auch in Zukunft gerne zu!

 

 

„Warum sind die nur immer so doof?“ frägt sich das kleine pinkfarbene Dominosteinchen zwischen all den Schwarzen. Kante an Kante, Ecke an Ecke stehen sie da. So nah und doch so fern. Du magst es nicht glauben, aber diese Frage ist bei vielen Steinchen ein schwerwiegendes Problem. Und egal was es tut, die anderen bewegen sich kein Stück! „Die schwarzen Steine mit ganz vielen weißen Punkten sind die schlimmsten“, ruft ein Pinkfarbenes aus einer anderen Reihe. „Genau! Der neben mir hat nur drei Punkte und steht auch nur blöd rum!“.

Nun stelle dir mal vor, ein Steinchen würde etwas tun, was es bisher noch nie getan hat.

Angenommen du würdest deine Verhaltensweise, deine Ausdrucksweise, deine Sprache und dein Handeln einmal ändern? „Nein, Angst vor Veränderung!“. Stimmt, Veränderung ist anstrengend! Die gewohnten Muster haben bisher so gut funktioniert. Kindergarten, Schule, Studium, Beruf – ein Leben in Bahnen und vorgegebenen Mustern. „WIR MACHEN DEN WEG FREI!“. Genau das will ich – hier ist mein Geld, mach du den Weg für mich frei. Was für ein genialer Werbeslogan! Die anderen machen das schon.

Ein asphaltierter Weg des Lebens ohne Ziel. Die wichtigen Ziele des Lebens kommen nämlich später.

Oder ein ganz großes Ziel im Leben, aber den Schotterweg nehme ich nicht!

Bisher war auch alles asphaltiert und gut organisiert. Denn, „ICH WILL SO BLEIBEN WIE ICH BIN!“. Darfst du auch! Beschwere dich nur nicht.

Wenn du nun von einigen Metern Entfernung, von oben, auf die Reihe mit Dominosteinen blickst, wie wird die Reihe aussehen? In einem Jahr, in fünf Jahren oder in 20 Jahren – wenn das Ziel schon lange zum Kompromiss geworden ist? Sie stehen immer noch doof rum.

Die anderen werden sich nicht ändern, solange du dich nicht änderst! Du weißt nun genau was passiert, falls du dich doch änderst. Betrachte vor deinem geistigen Auge die Reihe von Steinen und dann ändere einmal dein Verhalten. Kawumm …. es passiert etwas, huch? Hast du dich etwa bewegt?

Ich liebe abgedroschene Beispiele aus klischeehaften Beziehungsproblemen und mir fällt folgendes Beispiel ein:

Sie: „Schatz, bringst du dann bitte den Müll runter?“. Er: Verzerrte Mimik, roter Kopf und kurz vor dem platzen: „Jaaaaaa! Grummel…“.

Verändern wir die Situation mal ein wenig.

Sie: „Schatz, lass bitte den Müll heute mal stehen. Ich finde es immer so erotisch, wenn du den Müll runterbringst, aber ich habe jetzt keine Zeit. Ich will doch noch abspülen! Frag mich nicht warum, aber lass ihn heute bitte stehen.“

Es ist ein blödes Beispiel, aber doch eindrucksvoll, wie bestehende Muster und immer wiederkehrende Probleme, mit einem leicht veränderten Satz, ein ganz anderes Verhalten beim Empfänger auslöst.

Wenn deine Botschaften gestern nicht verstanden wurden, denkst du sie werden morgen verstanden werden? Denkst du, alles was gestern nicht funktioniert hat, wird morgen funktionieren? Warum sollte es?

Wenn du oft verletzt wurdest, weil du „Ja“ gesagt hast um dem anderen nicht zu nahe zu treten, warum sagst du nicht heute einfach mal „Nein“. Auch deinem Gegenüber tut es weniger weh, sofort mit der Wahrheit konfrontiert zu werden, als irgendwann darüber zu stolpern.

Wenn du zu jemanden sagst: „Ich melde mich die Tage“ und tust es nicht. Was passiert? Dir ist es doch gleichgültig. Aber der andere? Denkst du nicht er/sie könnte darauf warten? Du erzeugst in dem anderen für mehrere Tage schlechte Gefühle. Und falls man schlechte Gefühle erzeugen muss, da es nicht anders geht, dann ist die Wahrheit immer noch am ehrlichsten: „Ich werde mich nicht melden!“ erzeugt nur ein Gefühl für einen Moment und nicht für Tage. Vielleicht erzeugt es aber sogar ein gutes Gefühl für diesen einen Moment: „Was für ein ehrlicher Mensch!“.

Und falls du heute mit etwas unzufrieden bist und nichts dafür tust. Wird es sich morgen ändern? Nein! Dein Job wird sich nicht ändern, ohne dass du dich veränderst. Dein Partner, dein soziales Umfeld – nichts wird sich gravierend verändern. Aber du hattest doch Ziele?

Verändere dich selbst und deine Umwelt wird sich verändern, denn Ziele dürfen nicht zu Kompromissen werden! Trau dich zu sagen was du dir wirklich denkst, “die anderen” werden es dir danken!

Kennen sie auch eine der Situationen, wenn sie bei einem Arzt, Rechtsanwalt oder Steuerberater sitzen und dieser ihnen entweder etwas Wichtiges sagen möchte, oder einfach eine Denkpause einlegt um ihnen etwas eher unwichtiges zu sagen. Vor allem beim Arzt sind ihre Sinne besonders geschärft. Alles was diese Person jetzt sagen wird, wir hören genau zu, hinterfragen, prüfen nach Kongruenz. Und aufgrund unserer (meist) offenen Grundhaltung der Berufsgruppe gegenüber, glauben wir es auch. Und vermutlich werden wir es, wenn auch nicht bedingungslos, akzeptieren.

Warum klappt das nicht immer? Warum klappt das nicht in der Partnerschaft, beim Chef oder mit Freunden?

Das größte Problem in der Kommunikation ist, dass die meisten Menschen lieber an das Denken was sie sagen wollen, als auf das zu antworten, was man zu ihnen sagt!

Die meisten hören nur mit einem Ohr zu und konstruieren während des Hörens ihre Antworten. Somit sind sie abgelenkt und zerstören schon im Ansatz die Möglichkeit, empathisch und sinnvoll zu kommunizieren.

Dazu habe ich einen sehr einfachen Versuch unternommen und genau beobachtet. Ich kam gerade aus dem Urlaub und habe Freunden einen einfachen Satz hingeworfen um zu sehen wie sie reagieren:

“Ich war letzte Woche in der Türkei!”

Die schlechteste Antwort darauf und das waren etwa 60%: “Da war ich auch vor paar Jahren, in XY-Stadt, ach war das schön”. Es folgten Geschichten aus ihrem Urlaub.

Die mittelmäßige Antwort und das waren etwa 20%: “Urlaub oder Arbeit?”. Ich: “Beides”. Gesprächspartner: “Da will ich auch mal hin” oder “Da war ich auch schon”.

Die beste Antwort und leider machen das nur etwa 20%: “Oh wie schön, erzähl mal wie war es?”. Ein Gespräch kam zustande.

Zusammenfassend musste ich lernen, dass nur etwa 20% der Menschen denen ich es erzählt habe, an meinen Gefühlen Interesse haben. Ich meine, ich erzählte nichts von Börsenkursen oder politischen Ereignissen. Ich erzählte von einem emotionalen Erlebnis. Etwas, was mir vermutlich, schon aufgrund meines Strahlens und meiner Körpersprache, etwas bedeutet.

Daraus folgere ich, weder empirisch noch wissenschaftlich belegt, dass 80% der Menschen mit denen ich privat spreche, absolut egal ist was ICH ihnen erzähle. Sie bereiten sich nur drauf vor, was sie mir gleich erzählen werden. Folgerichtig spreche ich nur noch mit den 20%, aber für den Versuch habe ich meine persönlichen Kontakte kurz ausgeweitet.

Deshalb funktioniert das bei vielen nicht mit der lösungsorientierten oder spannenden Kommunikation. An wen denken sie jetzt? Ihr Partner, Chef, Nachbar oder einfach an jemanden bei dem es besonders ausgeprägt ist? Klicken sie einfach unten auf den Facebook „Like“ Button und ein Link zu diesem Artikel erscheint auf ihrem Profil. Derjenige wird es schon lesen!

Jetzt aber zur Lösung. Warum solltest du aktiv zuhören? Um endlich zu verstehen, was dir dein Gegenüber eigentlich sagen will.

Nur wenn du es schaffst zu spüren, was dir gesagt wird, dann hast du es auch verstanden!

Und, weil es Spaß macht sich in die Emotionen des anderen hineinzuversetzen. Zusätzlich baut man Vertrauen auf, schafft oder vertieft die Beziehung zum Gegenüber und man hätte sogar die Möglichkeit das Gespräch auf einer emotionalen Ebene in eine Richtung zu lenken, die man vielleicht schon lange vor hatte … (Wollte ich jemanden ein Auto verkaufen, würde ich vorher ein emotionales Gespräch suchen uns sehr genau zuhören, wo derjenige besonders suggestibel ist).

Leitlinien für aktives Zuhören nach Carl Rogers:

  1. Empathische und offene Grundhaltung
  2. Authentisches und kongruentes Auftreten
  3. Akzeptanz und bedingungslose positive Beachtung der anderen Person.

Meine Ergänzungen zu den Leitlininien:

4. Mund halten, schweigen, zuhören, fühlen

5. Überlegen welche Gefühle vermittelt werden

Und sollte man mit dem was man hört und fühlt nicht einverstanden sein, gibt es eine interessante Grundannahme aus dem NLP.

Allem was man sagt oder tut, liegt eine positive Absicht zugrunde.

Es soll Partnerschaften geben, in denen man sich anschreit, ein Wort das andere gibt und man nie zu einer Lösung kommt. Angenommen, sie blenden die Lautstärke aus und hören genau zu und versuchen die Gefühle und Absicht hinter dem gesagten zu verstehen, was werden sie verstehen? Sehr oft wird ihre Erkenntnis folgende sein: „Ich will Veränderung! Ich möchte dass du mir die Werte zurückgibst, auf denen unsere Beziehung beruht: Zuneigung, Vertrauen, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit, (Liebe ist per Definition kein Wert)“.

Meinungen respektieren, heißt übrigens nicht Meinungen zu akzeptieren. Nach dem Harvard Prinzip: „Verstehen, will nie heißen, auch einverstanden zu sein“. Aber es hilft doch ungemein den anderen verstanden zu haben und zu wissen was er dabei fühlt.

Noch ein Beispiel: Sollte sich ein Kunde in einem Seminar lauthals über mich beschweren (was bisher leider zweimal vorkam), was wollte er? Die Person wollte nur mehr Aufmerksamkeit und deshalb versuche ich nun, allen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Es war keine fachliche Kritik, es hatte schlichtweg mit seinen Gefühlen zu tun.

Alles hat mit Gefühlen zu tun, besonders wenn der Gesprächspartner laut wird – dann sogar besonders! Erkenne es, fühle es, nutze es …

 

 

Schweigen ist eine Waffe, mit der wir Gefühle erzeugen! Jeder kennt Gespräche, in denen ein Wort das andere jagt und am Ende oft ein Streit entsteht. Aber haben sie schon drüber nachgedacht, warum das so ist und wie sie es vermeiden können? Hier ein Beispiel:

Beziehungsstreit:

Sie: Ich wünsche mir, dass du dich mehr um mich kümmerst. Immer hängst du mit deinen Kumpels rum und wo bleibe ich?

Er: Meine Kumpels sind mir eben wichtig und so oft sehe ich die nun auch nicht. Peter kommt extra aus XY angereist und da ist es doch verständlich das ich ihn sehen will. Ich habe dir doch erzählt, ich war mit ihm bei der Bundeswehr und … ich sag dir, das war ein Spaß als wir damals … (Diese Geschichte kennt sie vermutlich schon auswendig).

Was passiert? Nein! Bisschen mehr nachdenken bitte. Was passiert wirklich?

Sie spricht Werte an, die ihr fehlen. Und jedem einzelnen Wert eines Menschen, liegt ein Gefühl zugrunde. Sie äußert klar und verständlich, dass es ihr an Zuneigung und Anerkennung fehlt. Vermutlich sogar noch Zuverlässigkeit und Einigkeit. Einigkeit deshalb, weil sie erkennt, dass die Werte in der Beziehung auseinanderdriften. Und was tut sie mit dieser Aussage genau? Ich möchte es so formulieren: Sie gibt ihm ihre Gefühlswaage in die Hand. Es ist eine alte Balkenwaage mit einem Stab, der auf beiden Seiten Waagschalen mit Schnüren befestigt hat. Diese Waage ist auf einer Seite mit ihren schlechten Gefühlen gefüllt und hat bereits eine beunruhigende Schräglage.

Und was macht er? Er äußert ebenso seine Gefühle, aber zu Peter. Er erklärt die Wichtigkeit von Peter, indem er die Entstehung der Freundschaft durch  ihr Kennenlernen und Vertiefen gemeinsamer Werte mit Peter erklärt. Und durch seine gemeinsamen Werte, Gleichheit, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, die eine Freundschaft ausmachen, bringt er sich in gute Gefühle. Leider haben viele Männer die Eigenschaft, durch Fokussierung andere Probleme auszublenden. Läuft nun noch der Fernseher, ist das eigentliche Problem komplett ausgeblendet. Er fokussiert sich nur auf den Fernseher oder auf das gute Gefühl zu Peter. Ich mag die Erklärung nicht besonders, dass es früher besser war, sich nur noch auf das 100 Meter entfernte Kaninchen zu konzentrieren, damit man es auch sicher erlegt. Übersieht der Jäger nicht den Truthahn, der noch leckerer schmeckt und einem Meter neben einem steht?

Leider hat er ihr noch ein Päckchen negative Gefühle auf ihre Gefühlswaage gelegt. Sie hat nun mächtig Schlagseite. Falls sie nun auf einer Party jemanden kennenlernt, der ungefragt Zuneigung und Anerkennung (z.B. durch Sex) in die Waagschale wirft, wie wird sie reagieren? Ich würde es verstehen und sogar für gut befinden, denn die Waage muss in Bewegung bleiben um glücklich zu sein. Niemand hat das Recht, die Gefühlswaage des anderen zum umkippen zu bringen!

Wie könnte er die Situation lösen?

Zuhören – Schweigen – Denken – Handeln. Jemanden ausreden zu lassen, ist eine Eigenschaft die mir bei Menschen mittlerweile auffällt, da sie seltener wird. Schweigen! Die Kunst zu schweigen sollte man erlernen, denn sie schafft Anerkennung. Schweigen zeigt dem anderen die Wichtigkeit seiner Worte und gibt Zeit zum Denken! Aber denken sie richtig. Welche Gefühle will mir der Gesprächspartner mitteilen. Welche Werte liegen dem zugrunde? Egal in welcher Tonlage oder Lautstärke der Gegenüber spricht, es geht immer um Gefühle die er oder sie ausdrücken möchte.

Im konkreten Fall, sollte er aktiv schweigen und überlegen. Sie in den Arm nehmen (Zuneigung) und ihr gestehen, dass es ihm nicht bewusst war, wie unzufrieden sie im Moment ist. Dazu ein kleines Witzchen, dass es für ihn als Mann nicht immer einfach ist Gefühle zu deuten (Ist es doch, wenn wir wollen!), schafft Rapport und deeskaliert (Er spricht aus, was sie sich schon lange denkt). Dann eine klare Termininierung: Lass uns jetzt die nächste Stunde über deine Aussage reden, schafft die erwünschte Anerkennung. Allerdings sollte er hinzufügen, dass er auch noch ein Thema hätte, das ihm am Herzen liegt, aber nach ihrem Thema. Damit leiten sie das Gespräch und haben mit der Erwähnung eines Folgethemas die Fäden in der Hand.

Fazit:

Wenn ihnen jemand wirklich etwas bedeutet, lassen sie ihn ausreden und versuchen sie die Gefühle zu erkennen. Falls sie seine Aussage bewusst wertschätzen möchten, schweigen sie, bevor sie antworten! Es erzeugt Vertrauen, Sympathie, Zuneigung usw.

Verzaubernde Rhetorik – Folgerungen:

Wenn sie jemanden verzaubern möchten, können sie die Technik bewusst einsetzen. Aktives Schweigen ist Anerkennung, Wertschätzung, erzeugt Vertrauen (Rapport) und gibt ihnen die Möglichkeit eine Gesprächsstrategie zu entwickeln. Welche Sinneskanäle wurden angesprochen -> aufgreifen! Welche Gefühle und Werte wurden kommuniziert -> aufgreifen! Lautstärke, Tonalität, Betonung -> aufgreifen! Verzaubern sie ihren Gesprächspartner, indem sie in seinen eigenen Worten sprechen und die Gefühle verstärken und gleiche Werte demonstrieren. Spiegelung erzeugt Vertrauen. “Es fühlt sich so an, als würden wir uns schon ewig kennen…”.

Persönliches:

Ich nutze diese Technik nur, wenn mir jemand wirklich etwas bedeutet. Man könnte es manipulativ einsetzen, ich mache es aber nur sehr selten.

Wer sich jemals mit NLP beschäftigt hat und dem Thema „ankern“ nicht viel zutraut – leset und erschauert:

Eine kurze Erklärung zur bayerischen Mettwurst. Hier bezeichnen wir nicht Salami oder andere ähnliche Wurstsorten als Mett, sondern wir meinen eine Wurst die im Fleischerei-Jargon auch gerne als „streichzart“ oder so ähnlich angepriesen wird.

Letzten Samstag wollte ich mir bei unserem Metzger (der heißt in Bayern übrigens auch nicht Fleischer!) meine geliebte Kalbsleberwurst kaufen. „Hamma nimma, iss aus!“ war die unverständlich gebrubbelte Antwort des netten Herrn mit weißer Mütze. Aber ein Samstag ohne mein Ritual ist ein schlechter Tag, also kaufte ich mir einen Ersatz. Analog-Kalbsleberwurst sozusagen und zwar Mettwurst (streichzart). Seit nun fast 30 Jahren machte ich einen Bogen um diese kulinarische Spezialität und ich hatte ganz vergessen warum eigentlich.

Beim ersten Bissen wurde ich blitzartig und in “Marty McFly-Manier” in die späten 70er katapultiert.

„Bäh, warum schmeckt das Ding nach Hirsch?“, dachte ich mir. Ich schaue auf die Inhaltsangaben: Schwein mit Chemie! Hirsch? Nö! Kein Hirsch drin, also teste ich nochmal. „Bäh, Hirsch!“ und spucke es aus. Ich musste dem Problem auf den Grund gehen und legte mich mit einem Butterbrot auf die Couch. Warum schmeckt meine Mettwurst nach Hirsch. Butter schmeckt nach Butter, Brötchen nach Brötchen. Ich teste weiter: Joghurt schmeckt nach Joghurt und Kaffee nach Kaffee. Aber Schwein schmeckt nach Hirsch!

Ich grübelte sehr lange und wollte wissen was hier nicht stimt. Nach langer Überlegung ging mir endlich ein Licht auf. Ich habe einen Hirschanker! Ein Anker aus ganz früher Jugend:

Ich war etwa 5 Jahre alt und fuhr mit meiner Mutter und meinem Onkel in ein Internat um meinen Cousin abzuholen. Wir waren viel zu früh dran und mein Onkel schlug vor, etwas zu essen, denn er hätte Brot und Mettwurst dabei. Ich hatte großen Hunger und nahm eine Scheibe Brot entgegen. Dann schnitt er eine Scheibe von der Mettwurst ab. Ich erschauerte! Er hatte ein Messer, bei welchem der Griff aus einem Stück Hirschgeweih mit Verzierung bestand. Es ekelte mich extrem diese Wurst zu essen und äußerte das sie so komisch schmecken würde. Irgendwie schmeckte die Mettwurst, wie das Messer aussah – nämlich eklig! Beide probierten und meinten ich solle es ruhig essen, weil es ganz normal schmeckt. Ich aß dieses eine Brot und seither nie wieder.

Dies ist einer der ältesten visuell-gustatorischen Anker die ich habe und von dem ich nichts wusste. Egal wie ich mich Samstag gezwungen habe, Schweinemettwurst schmeckt bei mir nach Hirsch! Ich dachte ein Anker hält nur wenige Tage, aber ich wurde eines besseren belehrt. Zumindest eklige Anker halten ein Leben lang …

Mein Fazit:

Ich werde nie mehr, wenn ich ein schlechtes Gefühl (State) habe, mein Lieblingsessen bestellen. Ich probiere einfach etwas neues, um nicht mein negatives Gefühl mit etwas zu verankern, was ich gerne esse.

Ideen – Folgerungen:

Angenommen, man befrägt jemanden nach seinem letzten Urlaub oder schönem Erlebnis und fügt nebenbei die Frage ein, was er/sie denn gegessen hätte. Beim nächsten Treffen könnte man sich zufällig dieses Gericht bestellen und die guten Gefühle des Gegenüber (des erlebten) könnten auf sich selbst projiziert werden.